Tastaturen – eine neue Sehnsucht

Meine kleine Odyssee in die Welt der mechanischen Tastaturen.

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Während der Pandemie habe ich eine neue Liebe entwickelt – Tastaturen. Ich glaube, so viele unterschiedliche Tastaturtypen und Modelle wie ich in den letzten 18 Monaten ausprobiert habe, habe ich in den Jahrzehnten davor nicht so intensiv betrachtet. Ich habe mich auch noch nie wirklich für Switches, Chassis, Dämpfungsringe, usw. interessiert.

Auf den ersten Computern (ZX81, Spectrum und C64) hatte man keine Wahl. Beim ersten PC musste es Cherry sein. Hatten halt alle anderen auch. Die IBM-Tastaturen-Phase mancher Freunde und Kommilitonen habe ich komplett ausgelassen. Danach war es mir eigentlich lange Zeit egal, woher das Keyboard stammte. Die erste Zäsur kam wohl mit einem MacBook vor ein paar Jahren, zu dem ich mir ein Apple Wireless Keyboard (2. Generation) gegönnt habe. Mehr aus einer Laune heraus und weil ich es leid war, mit einer PC-Tastatur am Mac zu arbeiten. Seitdem habe ich eigentlich alles an Tastaturen mitgemacht, was Apple auf den Markt geworfen hat, bis einschließlich zum Magic Keyboard mit Touch ID Sensor.

Dann kam die Pandemie und in einer Phase akuter abendlicher Langeweile stolperte ich über den Hype um mechanische Tastaturen. Mir bis dato völlig unbekannt, aber leider wirklich faszinierend. Zusätzlich befeuert wurde das Ganze noch durch einen Freund, der bekennender Fan von Das Keyboard ist. (Mittlerweile habe ich ihn aber auch auf einen anderen Pfad gelockt.)

Die Odyssee begann…

Das Keyboard 4

Die erste Etappe der Odyssee war dann auch Das Keyboard 4 in der Mac Version. Es verkörpert alles, was man mit einem klassischen mechanischen Keyboard verbindet, wenn man noch nicht extrem tief in die Thematik abgetaucht ist. Es ist extrem solide. Der Sound beim Tippen beeindruckend. Und in den ersten Wochen nach dem Wechsel von einem Magic Keyboard fühlt jeder Tastenanschlag sich ein wenig wie ein 4000er in den Alpen an. Aber man merkt auch, wie man sukzessive weniger Fehler beim Tippen macht, was eine schicke Nebenwirkung von der Nutzung von mechanischen Tastaturen ist.

Lange hat die Zuneigung aber nicht gehalten und ein Fan bin ich auch nicht geworden. 2 Monate später hatte ich das Keyboard auch schon wieder verkauft.

Die Gründe waren: Das Ding ist groß und wirkt etwas klobig. Der Tastenhub war mir definitiv zu hoch. Einen Sommerurlaub Berge hoch und runterlaufen ist okay, aber auf Dauer war es mir zu anstrengend und ich habe Schmerzen in der Hand bekommen. Die Akzeptanz für die Sound-Kulisse im Homeoffice/Wohnung und in Videokonferenzen war auch begrenzt. Aber wenn man all das mag, dann ist dieses Keyboard schon eine verdammt gute Wahl und die Q-Serie, bei der man praktisch alles konfigurieren kann, ist die Wucht.

Ab dann war wieder das Magic Keyboard mein täglicher Begleiter und ich hatte das Abenteuer fast schon für beendet erklärt.

Erkenntnis: Richtige mechanische Keyboard mit großem Tastenhub sind nichts für mich. Und ein massives Modell mit Zehner-Block auch nicht.

Keychron K3

Mal wieder ergab sich ein Abend absoluter Langeweile und ich stolperte durch ein paar Subreddits für Fans mechanischer Keyboards. Dabei lernte ich viel über Switches und was die Unterschiede zwischen einem normalen Switch, einem Low-Profile-Switch und einem optischen Low-Profile-Switch sind. Dazu mischte sich dann noch die Farbenlehre der Switches, denn es gibt da in der Tat erheblich mehr als nur blau und braun, wie ich es vom Das Keyboard her kannte. Je nach Hersteller kommen da locker 8–12 Farben zusammen, multipliziert mit den entsprechenden Switch-Typen. Ich erkannte, dass optische Low-Profile-Switches in Blau oder Rot wahrscheinlich mein Ding sein könnten.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem Lieferanten, der ein Low-Profile-Keyboard mit einem ISO-Layout für Deutschland und Mac-Kompatibilität anbot. Für ein Custom-Keyboard war ich zu diesem Zeitpunkt (zum Glück) noch nicht bereit. Fündig wurde ich letztlich bei Keychron, die mit dem K3v2 genau das anboten, was ich gesucht habe. Ich entschied mich für blaue Switches, weil ich doch ein bisschen Sound haben wollte (dachte ich), und bestellte das gute Stück als der Versand aus Hongkong noch kostenlos war.

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Als es kam, war ich mega begeistert. Tolles Produkt, toller Formfaktor, viel angenehmerer Tastenhub. Und als kleine Spielerei hatte es eine Tastaturbeleuchtung, die man animieren konnte. Letztere hat mich genau eine Stunde begeistert und danach habe ich sie ausgeschaltet, da es mich komplett irritiert hat, als ich auf der Tastatur tippte.

Ein Monat später.

Nachdem ich immer häufiger immer mal wieder zum Magic Keyboard zurück geswitcht bin, hatte ich ein Einsehen. Auch das Keyboard ist nichts für mich. Blaue Switches sind mir definitiv zu „clicky“ und zu laut. Der Akku hält nicht im Ansatz lang genug für meine Bedürfnisse und auf Kabel hatte ich keine Lust. Und der Tastenhub war mir dann immer noch zu hoch.

Was mich fast in den Wahnsinn getrieben hat, ist die Home/Ende Taste neben dem rechten Shift-Key. Ich weiß nicht, wie oft ich da aus Versehen drauf gekommen bin und dann an beliebiger Stelle in meinem Code-Editor rumgetippt habe, wo ich gar nicht hinwollte. Das 75 % Layout des Keyboards passte dann wohl auch nicht zu mir.

Glücklicherweise fand sich auch dieses Mal ein Abnehmer dafür, der scheinbar sehr happy mit dem Keyboard ist. Und den Das Keyboard Fan konnte ich mit dem K3 auch anfixen.

Auch hier gilt, ein verdammt gutes Keyboard, wenn man diese Eigenschaften haben will.

Erkenntnis: Blaue Switches sind zu laut. Rote sollten es schon sein. Ein 75 % Layout ist auch nichts für mich.

Custom TKL Keyboard

Nachdem ich schon wieder einige Wochen zurück auf meinem Magic Keyboard war und auch ein wenig den Spaß an dem Thema verloren hatte, ergab es sich, dass ich mir das Keyboard eines Bekannten für 2 Wochen ausleihen konnte. Er war völlig begeistert davon und sagte, dass er exakt dieselben Probleme wie ich hatte. Ich solle doch sein Keyboard mal testen, während er im Heimaturlaub ist.

Gesagt, getan. Ich war begeistert. Auch nach den zwei Wochen.

Das Ding hatte alles, was ich wollte: TKL als Formfaktor. Low-Profile-Silent-Red-Switches, die auch wirklich leise waren. Das Chassis war ultraflach, sodass man wirklich auch nur den Tastenhub als Höhe hatte. Der Akku war okay. Ein Traum von einer Tastatur.

Gekauft habe ich es mir dennoch nicht. Denn auch das Ding hatte einen Haken – den Preis. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie sehr man beim Thema Custom Keyboard eskalieren kann. Das Keyboard hat 650 € gekostet, so wie es vor mir stand. Ich bin jederzeit bereit, Geld auszugeben, aber dieser Betrag und eine Tastatur passen einfach nicht in meine Gedankenwelt. Über die meiner Frau möchte ich in dem Zusammenhang erst gar nicht nachdenken.

Die nachfolgenden Recherchen verliefen dann auch eher ins Leere, da ich herausfinden musste, dass das Thema Custom-Keyboard, günstiger Preis und ISO-Layout ein wirklich schwieriges ist. Mit einem ANSI-Layout kann ich nichts anfangen, meine mechanischen Erinnerungsmuster sind nach 35 Jahren am Computer viel zu sehr auf ein ISO-DE-Layout geprägt, als dass ich mich umgewöhnen will oder kann.

Erkenntnis: TKL ist der Formfaktor der Wahl. Low-Profile-Silent-Red-Switches will ich. ISO-Layout ist eine echte Herausforderung.

Logitech MX Keys

Nach den all den Experimenten, die leider alle nicht erfolgreich waren, hatte ich auf jeden Fall den Spaß an dem schwabbligen Magic Keyboard endgültig verloren. Ich benötigte einen Ersatz, der mir Spaß bringt und mich die Zeit überbrücken lässt, bis ich mir mein Custom-Keyboard gebaut habe, dass mich wunschlos glücklich macht und nicht zwingend den Gegenwert eines Smartphones hat.

Welches Keyboard abseits des Hypes um mechanische Keyboards immer gelobt wird, sind die MX Keys Keyboards von Logitech. Vor ein paar Tagen wurde bei appgefahren.de berichtet, dass die MX Keys for Mac für 69 € zu haben sind. Da habe ich kurz entschlossen zugeschlagen. (Mittlerweile kosten sie wieder mehr.)

Photo by Aditya Rathod on Unsplash

Photo by Aditya Rathod on Unsplash Ich habe mir das normal große Keyboard gekauft. Das ist zwar kein TKL Format hat, aber dennoch nicht so riesig wie Das Keyboard. Mit dem Nummernblock kann ich immer noch nichts anfangen, aber den kann man ja ignorieren.

Aber der Rest passt bei diesem Keyboard schon recht gut und es ist eine deutliche Verbesserung zum Magic Keyboard. Guter, klarer Druckpunkt. Angenehmes Tippgefühl. Niedriger Tastenhub. Guter Sound. Präzise. Ich war auf jeden Fall sofort darin verliebt.

Odyssee zu Ende?

Nö. 🤭 Ich lungere immer noch in Foren und Subreddits zu mechanischen Keyboards rum, habe mehrere Suchagenten laufen, die mich auf dem Laufenden zu ISO-Barebones halten. Denn das ist der einzige Puzzlestein, der mir noch fehlt. Switches, Keycaps und Co. stehen fest. Mal schauen, wann es so weit ist.

Wenn ihr auch ein wenig ins Thema einsteigen wollt, dann schaut euch dieses Video von c’t 3003 an oder lest diesen ausgezeichneten Artikel bei heise.de. Der Titel des Artikels ist bezeichnend „Mechanische Tastaturen modden: Von Möglichkeiten, Potenzialen und Suchtgefahr“. Das Thema birgt in der Tat eine gewisse Suchtgefahr.