Weeknotes: 8€, #TwitterTakeOver, Postodon

Notizen aus der Woche 45/2022

Foto von Craig Adderley

Endlich wird es ein wenig herbstlicher und insbesondere kälter. Leider ist es mir dieses Jahr noch nicht gelungen, ein schönes Herbstbild zu fotografieren, daher muss ich mich für diesen Post noch aus der Konserve bedienen. Die Arbeitswoche war mal wieder vollgepackt, sodass ich für die privaten Themen, um die es hier meisten gehen soll, wenig Zeit hatte. Aber es hat noch dafür gereicht, staunend dem Treiben im Silicon Valley zu folgen.

8 € für ein blaues Häkchen

Auf Twitter geben Leute 8 € aus, um ein blaues Häkchen zu bekommen, damit sie den Coolness-Faktor der Leute bekommen, die früher ein blaues Häkchen bekommen haben, weil sie entweder wirklich cool und wichtig waren, oder nur dachten, dass sie ihre CoolnessAuthentizität beweisen müssen. Wahrscheinlich waren die früheren Träger dieser Auszeichnung so aufgeregt darüber, dass sie bei Twitter Rabatz gemacht haben und dort dann kurzerhand den grauen Haken und den Hinweis "Offiziell" erfunden wurde. Passend zum aktuellen Management-Stil von Elon Musk wurde das graue Häkchen kurz danach wieder kassiert.

Schon früher fand ich das Gieren nach dem blauen Häkchen befremdlich. Ich kann mich erinnern, als es damals eingeführt wurde, versuchte gefühlt jeder Journalist in meinem Umfeld ein solches zu bekommen. Wenigstens war es damals noch eine echte Verifikation des Eigentümers des Accounts. Aber die Kommerzialisierung des Häkchens ist typisch für das Denken von Elon Musk und für eine Klientel, die ihr Selbstwertgefühl aus bezahlten Mitgliedschaften in vermeintlich elitären Clubs zieht.

Es ist alles so traurig.

Lustig hingegen sind die Leute, die sich ein blaues Häkchen kaufen und dann Parodien auf Elon Musik, etablierte Marken und Co. erschaffen. Besser kann man den Unsinn des Konzepts nicht dokumentieren.

Was mich auch erfreut hat, ist ein Post von Marcus Schwarze. Er hat genau wie ich im Rahmen einer Chefredakteurs-Tour vom Medium Magazin die Twitter-Zentrale besucht und ein kurzes Video davon gedreht. Scheinbar waren wir beide im selben Meetingraum bei Twitter. (Oder sie haben nur den einen für Besucher?)

#TwitterTakeOver

Ich möchte das völlig erratische Verhalten von Elon Musk nicht kommentieren. Es bestätigt lediglich für mich meine Meinung über ihn - er ist ein völlig überbewerteter und unfähiger Manager.

Mir tun die Menschen leid, die unter diesem Verhalten unmittelbar leiden - die Mitarbeiter, die er entlassen hat und die Mitarbeiter, die bleiben, weil sie aktuell keine andere Chance haben. Ich habe initial gesagt, dass ich sofort hinwerfen würde in dieser Situation. Dabei habe ich eine Eigenart des amerikanischen Systems nicht bedacht, gerade für ausländische Mitarbeiter gilt oftmals, dass am Job auch die Aufenthaltserlaubnis hängt. Einfach Hinwerfen funktioniert dann nicht, sondern man muss einfach ausharren und es aushalten, bis man einen neuen Job hat. Ausharren ist aber schwierig in einer solch toxischen Umgebung, in der sich der CEO nicht mehr an Absprachen zu Homeoffice hält und mindestens 40 Stunden Anwesenheit im Office verlangt.

16 € für ein gesundes Social Media Account

Im dritten Anlauf hat es bei mir geklickt und ich bin in Mastodon angekommen. Ich habe den Crossposter zwischen Twitter und Mastodon deaktiviert. Twitter nutze ich nur noch sporadisch. Im Fediverse bin ich mit zwei Accounts aktiv: @oliver@2pxnl.de und @oliverandrich@fosstodon.org. Alles fühlt sich relativ rund an. Ein logischer Grund um selbst einen Beitrag zu leisten, damit diese Plattform sich entwickelt und mir weiterhin Spaß bringt.

16,50 €, die besser angelegt sind, als so manches Abo von Netflix, Disney, Prime, Spotify etc.

Postodon

Zum Abschluss dieser Weeknotes noch ein kleiner Teaser - ich baue mir aktuell einen eigenen Mastodon Client, da mir keiner der verfügbaren gefällt. In jedem finde ich etwas, was ich toll finde und in jedem fehlt mir wiederum etwas anderes.

Das Ganze entsteht auf Basis von Expo und react-native, da ich mich mit diesen Technologien auskenne. Ich hatte kurz über SwiftUI nachgedacht, aber das war mir zuviel Aufwand. Außerdem hielte ich es für durchaus charmant, wenn ich einen Client für iOS und Android hätte.

Nächste Woche werde ich hoffentlich ein paar Screenshots posten können, wenn sich das Design stabilisiert hat.

Links der Woche

  • Is the fediverse about to get Fryed? - Interessante Betrachtung von Aral, warum Massenaccounts für Mastodon ein technisches Problem sein könnten. Der Blogpost identifiziert eine Stelle von Mastodon, die in Zukunft optimiert werden muss.
  • Mastodon is just blogs - Simons Analyse zu Mastodon ist großartig und erfrischend, da er damit einen Punkt hat, dass Mastodon am Ende nur ein Revival der Blogosphäre mit besserer Vernetzung ist.
  • Timeboxing - Aktuell versuche ich meine Tage besser zu organisieren und probiere mich neben dem Bullet Journal auch im Timeboxing aus.
  • 10 Dinge, die Du über Mastodon wissen solltest - Ein ausgezeichneter Artikel über Mastodon, der kompakt ein paar wesentliche Punkte beleuchtet.