14 Jahre

Nach 14 Jahren habe ich heute meinen Twitter Account in den Winterschlaf geschickt.

Grafik von Twitter.

14 Jahre - solange war ich auf Twitter täglich aktiv. Eigentlich sogar noch ein Jahr länger, aber das 2007 angelegte Account habe ich gelöscht, weil es beim ersten Mal nicht so richtig klick gemacht hat. 2008 hat die Idee dieses damals kleinen, übersichtlichen Netzwerks bei mir gefruchtet und Twitter ist schnell zu meinem liebsten sozialen Netzwerk geworden. Eigentlich ist es das einzige soziale Netzwerk, dass ich so lange und so konsequent genutzt habe, wenn ich mal IRC außen vor lasse. [Hier stand mal ein Rant, warum die anderen alle doof für mich waren/sind. Geschenkt. Uninteressant.]

Es war schön dort. Damals. Chronologische Zeitleiste. Kleine Gedankenschnipsel zu spannenden Themen. Links. Experimente mit Hashtags als es noch keine Hashtags auf Twitter gab. Gelegentlich mal ein vergessenes "d" vor einer dann nicht mehr so direkten Nachricht. Uups. ;) Eine Zeit lang konnte man auch gut alternative Clients dafür nutzen, ohne Einschränkungen hinnehmen zu müssen.

Irgendwann erfolgten fragwürdige Entscheidungen wie die API Einschränkungen für 3rd Party Clients, der inflationäre Einzug von Werbung und der Algorithmus. Es kamen halb gare Me-too-Produkterweiterungen wie Fleets und Spaces dazu. Irgendwie ist es mir gelungen, diese Störungen zu ignorieren. Ich möchte sogar so weit gehen, dass Twitter meine Fähigkeit Werbung auszublenden, erheblich verbessert hat. Neben fragwürdigen Entscheidungen gab es aber auch gute Impulse wie die Thread-Darstellung von Posts.

Twitter war für mich 90 % der Zeit eine supergute Erfahrung. Ich hatte die Bubble schön. Ich wurde mit Technews, Impulsen aus allen möglichen Ecken und Lustigem stetig versorgt. Habe viele nette Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen, Kontakte zu Kollegen und Geschäftspartnern gepflegt, und schöne Gespräche geführt. Für mich fühlte es sich heimelig.

Dann kam Elon.

Elon Musk, oder Egon, wie meine Rechtschreibkorrektur ihn beharrlich nennen möchte, der immer ein wenig wie Jean-Baptiste Emanuel Zorg aussieht und ähnlich rücksichtslos agiert. Diese Kombination aus toxischer Männlichkeit, rücksichtsloser Überheblichkeit und einem menschenverachtenden Führungsstil ist zu viel für mich. Und es wird auch zu viel für diese Plattform sein. Selbst wenn der Bumms überlebt, er hat sich schon jetzt in einer Art und Weise verändert, die nichts mehr damit zu tun hat, was die Attraktivität von Twitter ausmachte.

Ich habe mich gefragt, warum mich das so sehr angeht, wie es aktuell tut. Schließlich sind wir durch Konsum Teil von Systemen, die dem teilweise in nichts nachstehen. Ich glaube, es liegt daran, dass Twitter eine Softwarebude ist. Ich bin Entwickler. Kenne toxische Führungsstile. Vielleicht berührt mich diese Nachvollziehbarkeit so sehr. Oder dass Egon in mein Wohnzimmer gesch****n hat.

Egal! Ich habe meinen Twitteraccount heute in den Winterschlaf geschickt und alle bisherigen Tweets mit tweetdelete.net gelöscht.

(Löschen des Accounts halte ich aus den Gründen, die Stefan anführt, für die falsche Entscheidung. Wir wollen ja nicht, dass jemand unsere Benutzernamen missbraucht.)